Schreiben – Worldbuilding

Schreiben – Worldbuilding

Zugegeben, dieser Blog sollte sich weniger um schriftstellerische Themen drehen, da ich dafür eine separate Seite einrichte. Dennoch möchte ich einzelne Bereiche als Teil meiner Selbst erörtern.

Was ist Worldbuilding? Ein Fallbeispiel

Anfangs existiert eine vage Idee. Ende der 90er Jahre nahm ich mir vor die Geschichte über Kolonisten zu erzählen, welche nach einem gewaltigen Sturm an einer Steilküste strandeten. Im Laufe meines Brainstormings entstand nach und nach eine Welt daraus: Saicht! Glaub mir, begibst du dich auf die Reise etwas zu erzählen, verlierst du dich schnell in Dingen, die für deine Geschichte keinen Belang haben. Passendes dazu findest du in diesem Beitrag.

Worldbuilding macht sehr viel Spaß. In Maßen sinnvoll eingesetzt, eben nicht bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, gestaltet es deine Welt erklärbar und lebendig. Zugegeben, ich habe mich oftmals in sinnlosen Details verloren. Da reichte plötzlich nicht die Beschreibung einer Stadt, da mussten die Gebäude samt Innenleben erschaffen werden. Ruck zuck bist du bei neuen Ideen, wobei Granenwurz das geringere Übel ist, könnte man dieses magische Heilkraut wenigstens nutzen. Wie aber setze ich Delvetische Granensuppe ein?

Letzten Endes habe ich den ganzen Kram entsorgt. Die Reißleine gezogen, klar Schiff gemacht. Die Welt Saicht, mühsam erarbeiteter, ging unter. Die finale Idee: ein Vulkanausbruch! Mein Worldbuilding über die Dekaden dieser Welt landeten im Papierkorb. Nicht mehr darüber nachdenken, wie etwas sein könnte, stattdessen von Grund auf neu und mit der Geschichte wachsen lassen, ist das neue Motto.

Im Vorfeld planen, um das Setting zu bereiten, werde ich nicht mehr. Ich möchte die Welt frei von Ballast betreten, um sie im Laufe der Zeit mit den Charakteren zu entdecken. Das wird der Leser ebenfalls. Schnell wirst du feststellen, ob eine Geschichte leidenschaftlich geschrieben oder penibel geplant und detailliert vorbereitet wurde. Der entdeckende Autor schreibt darauf los. Der Plotter nagelt sich hingegen selbst am Script fest. Starre Handlungsverläufe, entwickelt während der Entstehung, frieren die Kreativität ein. Klar, eine grobe Richtung solltest du haben, wenn du dich daran setzt, einen Roman zu schreiben. Aber muss es ein in Beton gegossenes Script sein?

Aufbruch in eine neue Welt

Die Kolonisten sind gestrandet, erkunden die Umgebung und stellen erschreckendes fest. Somit hast du einen Anfang! Ein zwei Punkte reichen. Du weißt bereits, worauf du hinaus möchtest. Mehr nicht! Der Weg dorthin liegt im Dunkel. Schnüre dich nicht in ein Korsett, das dir die Luft zum Atmen nimmt. Bleibe in der Lage, dich kreativ zu entfalten.

Es ist ein Erlebnis wie im wahren Leben, eine Entdeckung! Kreativität folgt einem Flow. Du wirst es spüren. Im Gegensatz zu einer geregelten Arbeit, die fünfmal in der Woche nach eintönigem Prinzip verläuft, kaum Abweichungen, zumindest in den wenigsten Berufen, zulässt, gibt dir Kreativität unentdeckte Freiräume. Ein Gefühl von Lebensqualität!

Ich bin der Auffassung, dass, wenn du eine Story von Anfang an plottest, du sie nicht mehr schreiben solltest. Die Freude am Schreiben wird zuerst kaltblütig erstickt, um dann endgültig zu verschwinden.
Du musst zum nächsten Punkt kommen.
Du musst dich an deine Vorgaben halten.
Du willst das Ziel der Charaktere erreichen, denn…
Du hast es mühsam geplant.
Klingt das nach Entspannung und Freude? Nein? Richtig! Das ist der Weg eines Schriftstellers, der es aus beruflichen Gründen machen muss: Auftragsschreiber, die ein Honorar erhalten.

Halt! Stopp! Lass den Charakteren ihren Freiraum. Lege Wert auf ihre Entwicklung. Während des Schreibens fließen dann die Worte aus dir heraus. Du stellst fest, dass dich deine Protagonisten, Antagonisten und Nebenfiguren überraschen werden. Eine Welt ohne Zwang entsteht. Sorgsames Worldbuilding entsteht während des Schreibens.

Am Anfang steht das Wort…
Am Ende erschuf der Autor eine lebendige Welt.

War es zu Beginn eine Steilküste, so erkundest du nun eine Halbinsel, eine Landzunge. Weiter im Norden,die Steilküste, natürliche Barriere zum Festland. Es gibt einen schmalen Pfad, der die Kolonisten nach oben führt. Über das Wasser geht es nicht. Das Schiff ist nicht mehr seetauglich, die Brandung zu gefährlich. Schwimmen kommt daher nicht infrage. Wer weiß außerdem, was alles im Wasser lebt…

Einige Mutige wagen den Aufstieg. Im Schutz der anbrechenden Nacht. Es ist der vierte Tag und zum ersten Mal fällt den Abenteurern dieses seltsam gelbliche Glimmen am Horizont auf. Schwach zuerst, dann immer stärker werdend. Im Laufe der Stunden ändert sich die Farbe zu einem intensiven Grün. Plötzlich ist ein Heulen in der Luft. Alles geht sehr schnell…

Nein, das war jetzt nicht geplant. Einfach geschrieben. Es zeigt, wie du als entdeckender Autor von einem Detail zum nächsten kommst. Dieses Glimmen war nie Teil des Anfangs. Das Ziel der Geschichte im Hinterkopf haltend, entsteht der Rest allein. Organisch.

Worldbuilding kann ein zeitfressender Moloch sein. Wenn er zuschlägt, landen zuletzt nicht einmal 10 Prozent in deiner Story.

Meine Tipps für dich

  • Skizziere ein grobes Setting
    • Genre, Zeit, Ähnlichkeit zu unserer Welt oder nicht
    • Besonderheiten, die wirklich wichtig für die Story sind
  • Charaktere
    • Protagonisten, Antagonisten, Nebenfiguren
    • Entweder du arbeitest diese richtig aus oder lernst sie während des Schreibens kennen
    • Lege die Intention des Charakters fest
  • Storyline
    • Anfang, Mitte, Ziel… Nicht mehr, nicht weniger
    • Füge keine Nebengeschichten ein, die nicht für die Hauptgeschichte notwendig sind
  • Wichtige Plätze und Gegenstände
    • Orte, die wichtig sein werden, skizzierst du ebenfalls
    • Analog verfährst du mit Gegenstände, Orten, usw…
  • Finger weg von Details jeglicher Art
    • Eine Welt entsteht, während du sie erkundest, schreibst
    • Überlasse deinem Leser Details, deute lediglich an. Bestes Beispiel dafür ist Alien. Das außerirdische Monster im Meilenstein des SF-Horror wurde kaum gezeigt. Atmosphäre schuf den Mythos, die Vorstellungskraft des Zuschauers schürte Angst…

„Niemand glaubt mir, wenn ich sage, dass mein langes Buch ein Versuch ist, eine Welt zu schaffen, in der eine Form der Sprache, die meiner persönlichen Ästhetik entspricht, real erscheint. Aber es ist wahr.“

J.R.R. Tolkien

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