Picard – J.L.?

Picard – J.L.?

Dezember 2018 standen den Fans Tränen in den Augen, als Patrick Stewart verkündete, erneut seine Paraderolle als Jean-Luc Picard zu verkörpern. Zugegeben, mir ging es nicht anders! Gänsehaut pur und feuchte Augen. Warum nicht, immerhin bin ich mit Star Trek – TNG, Deep Space Nine und Voyager aufgewachsen, Fan der Classic Serie, sowie den meisten Filmen.

Es sollte Anfang 2020 werden, ehe die Serie auf Amazon Prime zur wöchentlichen Ausstrahlung bereitstand. Zuvor wurde häppchenweise berichtet. Trailer-Analysen wurden akribisch aufbereitet, einige YouTuber spekulierten sich Bild für Bild durch das wenige offizielle Material.

Klar! Kann man machen. Aber sollte man? Meinerseits ein klares Nein! Einerseits nimmt es die Vorfreude, andererseits schürt es allgemein zu hohe Erwartungen. Immer, denn ehrlich gesagt sind Fantheorien dank des Internets die Seuche jeden Franchise, teils deren Untergang. Böse, wenn du direkt an Star Wars denkst. Dazu gerne an anderer Stelle mehr.

Die Trailer habe ich natürlich angesehen. Das gebe ich sehr gerne zu. Ebenso habe ich mir bei YouTubern meines Vertrauens zwei Analysen angesehen. Ehrlich gesagt, wollte ich danach nichts Weiteres wissen, ehe die Serie startet. Beide Traileranalysen unterschieden sich extrem voneinander und beiden habe ich nicht zugestimmt. Die YouTuber euphorisierten sich zu sehr, interpretierten Erwartungen, die ich nicht sah. Zudem zogen sie zu viele Schlüsse aus dem, was war, nur weil etwas Bekanntes aus TNG angedeutet wurde. Was noch schlimmer war, ich hatte eigene Gedanken zurechtassoziiert, die nicht ganz so rosig schienen. Mit meiner Vermutung sollte ich Recht behalten. Furchtbar!

Wie jetzt? Nicht rosige Aussichten? Aber, … das ist doch Picard! Jean-Luc Picard. Was kann – was soll da schiefgehen?

Eine ganze Menge!

Gefreut habe ich mich sehr. Den verkrampften Einheitsbrei namens Prequel würde diese Serie hinter sich lassen. Weniger gefreut habe ich mich über die Idee eines völlig sinnbefreiten Settings für Picard. Warum sollte ein Mann der Föderation mit unfassbaren Beziehungen eine Schrottkiste samt Würfelcrew nutzen? Generell wage ich zu bezweifeln, dass die Föderation binnen 20 Jahren einen derartigen Schritt zurückerleidet, wie in Picard geschehen. Sei’s drum. 

Was bei Serienstart folgte, war ein solider Pilotfilm. In meinen Augen funktionierte das Storytelling; Fans bekamen einiges an Fan-Service geboten. Glücklicherweise nicht derart erzwungen platziert wie in The Mandalorian. Ich durfte gespannt sein.

Dann, nach dem Serienpilot, kurioserweise mit der vierten Episode, begann die unfassbare Phase der Leere. Das Universum bietet viel Raum, unendliche Weiten, unzählige Sterne samt Planetensystem… Platz sich auszutoben, kreativ zu sein. Diese Leere begann mit Folge vier!

Viel Raum, viel Luft nach oben, wenig Inhalt.

Dafür steigert sich die Dosis Fan-Service von Mal zu Mal. Jede Episode strotzt vor Anspielungen. Soeben den Pilotfilm vorbildlich gelobt, zieht Picard mit The Mandalorian gleich. Willkürlich! Hauptsache integriert. Nein, ich möchte nicht wissen, wie Pizza gebacken wird, ob nun mit Hasen oder ohne, nur um Deanna Troi und Will Riker referenzieren zu können. Die komplette Episode, Material für maximal 10 bis 15 Minuten…

Spoiler! Nein Spaß, ich will nicht viel spoilern: ein motivierter Auftakt mündet in einem 0815 Finale. Handlungsstränge völlig sinnfrei implementiert oder belanglos beendet, fast vergessen. Fast alle Charaktere dienen dem ausschließlichen Zweck des Bildschirmfüllens, nicht der Story an sich. Und bitte! Bitte frage mich nicht, wie sie heißen. Das ist Aussage genug, oder? Nein? Okay. Ich sage nur JL… Jay Ell…

Das Ende verunreinigt Star Trek, entweiht es regelrecht. Technologie wird nicht erklärt und passt nicht ins Franchise. Androiden, die eine Art Gottheit herbeirufen, die Lovecraft’s Werken entsprungen scheint. Raumschiffe designt á la Asylum. Wer hat das verbrochen? Wer hat eine Serie geplant, die Patrick Stewart nicht fordert, die Figur Jean-Luc Picard ins Lächerliche zieht und für die nach der dritten Episode random ein Drehbuch aus dem Lager geholt wurde? 

Was stimmt nicht mit denen, die das Projekt initiiert haben? Ja, ich denke, die passenden Verschwörungstheoretiker haben bereits die Antwort: Der Produzent muss Fan von The Orville sein! Folglich musste er das Franchise Star Trek mit Warp 9,6 sprichwörtlich vor die interstellare Wand fliegen. 

Vorbei die Zeiten als Star Trek noch Star Trek war. Vorbei die Zeiten, als das Vorgehen der Föderation löblich und nachvollziehbar war. Vorbei die Zeiten, als alltägliches und politisches Weltgeschehen sauber in eine Episode integriert und verarbeitet wurde. Stattdessen brutale Abhandlungen über Flüchtlinge, ein zerfallenes Romulanischen Reich, das scheinbar nur ein Sternsystem territorial beanspruchte und als Tüpfelschen auf dem i, eine infiltrierter Regierungsapparat, durchseucht von Fanatikern. Na danke, da würde selbst Q – wo steckt der Überhaupt – der Aluhut verrutschen. 

Reicht nicht? Tatsache! Eine zweite Staffel ist bereits in Arbeit. Oh Q, bewahre uns davor! BITTE!

Q: „Wenn man mir die Wahl lässt, gehe ich. Sie haben mich enttäuscht Jean-Luc, wirklich enttäuscht.“

Star Trek – TNG S3.E13

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