Freizeitspaß – Klemmbausteine

Freizeitspaß – Klemmbausteine

Welches Kind kennt sie nicht? Klemmbausteine aus Plastik? Die bunte Alternative zum Holzspielzeug. Bestens erinnere ich mich an meine Kindheit und frühe Jugend. Als großer LEGO-Fan baute ich leidenschaftlich, konstruierte unzählige Dinge. Heute würde man MOC dazu sagen, My Own Creation. Vor allem die Weltraumsets hatten es mir angetan, die blaue und schwarze Serie sammelte ich, erlebte aufregende Abenteuer. Gelacht, geweint, doch nie enttäuscht. Die Zeiten von LEGO. Lang ist es her.

Der dänische Hersteller bot damals einen in Deutschland ansässigen Ersatzteil-Service mit dem klangvollen Namen Paul Prima. Hat LEGO sich bei Stan Lee bedient? … Peter Parker, Bruce Banner, Bucky Barnes, Jessica Jones…

Als Kind habe ich tatsächlich geglaubt, eine Antwort von Paul zu erhalten. So schrieb ich diesem. Und weißt du was? Paul Prima antwortete mir. Per persönlichem Brief. Viele kennen Briefe heutzutage nur noch als Rechnung oder Mahnung, Kinder und Jugendliche das persönliche Anschreiben sicher gar nicht mehr. Ich erinnere mich spontan an Brieffreundschaften. Offline, denn Internet und E-mail… ohhh, das kam erst später, viel später.

Who the fish is Paul Prima?

Paul Prima jedenfalls teilte mir mit, das LEGO keine Sets mit der Enterprise oder James Bond vermarkten würde. Warum es keine braunen und beigefarbenen Bausteine geben würde. Nun, Paul Prima beantwortete dies damit, dass Kinder nicht damit bauen würden. Vor allem Steine genannter Farben benötigte ich damals für Ideen meiner Ägypten-Modelle…
Wie war das? Niemals enttäuscht? Na, vielleicht etwas, ein kleines bisschen, doch…

In Studio 2.0 ziemlich zügig geklöppelt ^-^

Meine Mutter ließ mir den Glauben an Paul Prima, obwohl sie mit Sicherheit wusste, dass sich nicht ausschließlich der nette Mann vom Foto dahinter verbirgt, sondern ein normales Kundenserviceteam. Dieses durfte sich mit allerlei Anfragen und Beschwerden herumschlagen. Bestimmt sogar!

Na ja, wie auch immer, Paul Prima und LEGO gaben mir während meiner Kindheit nicht die Steine, die heute überall verbaut sind. In allen möglichen Farben und Formen, an die in den 80er und 90er Jahren nicht einmal im Traum zu denken war. Eines allerdings blieb wie damals versprochen: Die Enterprise kam nicht und wird es nicht. Dafür gibt es Unmengen an Star Wars Sets.
James Bond allerdings… zumindest seinen Aston Martin hat LEGO als CREATOR-Set auf den Markt gebracht!

Was soll ich sagen, so ändern sich die Zeiten. Damals war LEGO sauteuer, die Werkstoffe in der Entwicklung. Und heute… Sauteuer nur jetzt halt in EURO, statt in DM.

Alles kommt wieder. Und noch vielmehr!

Seit knapp zwei Jahren habe ich wieder Kontakt zur LEGO-Szene und anderen Anbietern von Klemmbausteinen. Durch Zufall bin ich über den Kanal Held der Steine auf YouTube gestolpert. Ein äußerst sympathischer Händler, in Frankfurt am Main, im Herzen von Europa, der teils rigoros kritisch mit Klemmbausteinsets ins Gericht geht. Anfangs reiner LEGO-Händler ist der Held der Steine mittlerweile nicht mehr exklusiv auf den dänischen Hersteller fixiert, sondern öffnete sein Sortiment alternativen Herstellern wie unter anderem Xingbao, COBI oder dem deutschen, nicht unumstrittenen Newcomer, BlueBrixx.

Jeder einzelne Anbieter hat seine eigene Zielgruppe, die individuell verschieden ist:
LEGO stellt unangefochten den Platzhirsch unter den Spielsetanbietern. COBI wurde bekannt als LEGO mit Panzern. Xingbao bietet eine Mischung aus detailverliebten Gebäuden und Militärsets. BlueBrixx etabliert sich ebenfalls als Anbieter mit Fokus auf Erwachsene mit einer Vorliebe für Displaymodelle aus den Bereichen Architektur und Militär. Spontan denke ich dabei an die einzigartige Optik von Manhattan, dem Prestigeprojekt der Flörsheimer. Ebenso bietet BlueBrixx Schloss Neuschwanstein mit knapp 6800 Teilen an und erfüllt mit der Comet den Traum aller Fans Captain Futures.

Woher kommen all diese Anbieter? Wie war das möglich? Nun, in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lief das Patent für die LEGO Bausteine aus und wurde nicht mehr, wie von den Dänen erhofft, verlängert. Jahrelang kämpfte LEGO vergeblich vor Gericht, trotzdem wurde in einem finalen Urteil gegen den Konzern entschieden. Dadurch öffnete sich der Markt für Drittanbieter, die endlich legal die begehrten Steine aus Dänemark kopieren durften. 2003 schließlich schrammte LEGO knapp an der Insolvenz vorbei, stabilisierte sich in den folgenden Jahren wieder. Der Weltmarkt nutzte die neue Gelegenheit, brachte zahlreiche neue Anbieter hervor, die mitunter schnell wieder von der Bildfläche verschwanden. Ein ganz harter Kandidat bildet hier eine besondere Ausnahme:
LEPIN kopiert weiterhin grenzwertig munter vor sich hin, unter anderem ganz frech die äußerst erfolgreichen Star Wars Sets von LEGO. Ein absolutes No-Go! Glaubst du nicht? Besuche einfach mal deren Internetseite… Dreister geht es nicht!

Bezüglich der Qualität kann ich aktuell nur aufgrund der gesehenen Videos etwas schreiben. Meine Schlüsse ziehe ich aus Review- und Aufbauvideos, die Einblick in moderne Bautechniken bieten, sowie teils gravierende Schwachstellen aufweisen. Alle richten sich an erwachsene Baumeister, die einen nicht unbedeutenden Teil der Käuferschicht darstellen.

Früher war besonders die Qualität der Steine alternativer Anbieter aus Asien fragwürdiger Natur. Heute haben diese aufgeschlossen und sind teils gleichwertig ihren dänischen Geschwistern. Die Klemmkraft ist mitunter höher als bei LEGO selbst, was COBI-Kunden sicher bestätigen werden. Kompatibilität ist in allen Fällen gegeben. Zumindest, so lange es sich um das reguläre Steine-Sortiment handelt, welches der dänische Hersteller etabliert hat. Farbabweichungen treten teilweise auf, vermehrt scheinbar bei BlueBrixx, die offensichtlich in unterschiedlichen Fabriken Asiens ihre Steine produzieren lassen. LEGO ist in Sachen Qualität das Maß aller Dinge: damals, wie heute.

Fusch am Bau!

Bauen ohne Halt! Wer bracht schon Noppen?

Auf bautechnischer Seite weisen vor allem die optisch teils sehr aufwendigen Sets oftmals arge Mängel auf. Durch den Kanal Klemmbausteinwelt, in dem Oliver Kulz BlueBrixx-Modelle vorstellt, wird der Bauer auf Mängel hingewiesen. Schonungslos! Oftmals stellt sich mir die Frage: wie fuscht ein Designer ohne Gewissensbisse Modelle zusammen? Ich denke, Kunden sollen wiederkommen? Eines der Manhattan-Sets führt sogar die Null-Noppentechnik ein. Entsetzen 100! Epic fail! Verschmelzen hier Klemmbausteinsets mit konventionellem Modellbau? Oh, wie schön das Modell ist und es hält… dank… Klebe?

Einer der Punkte, wie es zu diesen Baumängeln kommt, liegt in der Fokussierung auf eine möglichst hohe Anzahl von Steinen pro Set. Je mehr, desto besser, scheint die Intention BlueBrixx‘ zu sein. Ein Verkaufsargument, aus Marketingsicht super, aus bautechnischer dumm. Allzu oft verbauen Designer 1er oder 2er Steine. Verbundbau? Fehlanzeige. Drei 1er Plates ergeben einen Standard 1er-Stein. Was in Manhattan Struktur schafft und die Häuser „lebendig“ wirken lässt, kann in vielen anderen Sets nur enttäuschen!

Die Designer der Sets haben sehr gute Ideen, allein die Umsetzung scheitert. Ich meine, kommt der Chef um die Ecke und sagt:
„Das sieht super aus. Wie viele Teile?“
„720!“
„Hast du Verbundbautechniken genutzt?“
„Ja!“
„Na dann weg damit, ich will 800 Teile auf der Packung sehen.“

Was willst du machen? Er zahlt dein Gehalt oder Honorar. Vielleicht sollte er eines der Sets aufbauen. Offiziell würde es Lob geben, inoffiziell… wer hört ihn schon im stillen Kämmerlein fluchen?

Na ja , selbst LEGO ist nicht frei von Tadel. Abseits der reinen Spielsets, die nach wie vor weitestgehend unschlagbar sind, gibt es immer wieder Ausreißer wie bei LEGO Technik und mitunter sehr teuren Modellen. Vor allem im Star Wars Lizenzbereich werden mitunter erschreckende Mängel offensichtlich. Das zum Zeitpunkt dieses Artikels entstandene Video vom Held der Steine zeigt den kunterbunten Innenteil eines 700 Euro teuren Sternzerstörers. Die bunte Resterampe, eine Farbseuche, wie Thomas Panke es nennt, mag viele nicht stören. Allerdings hat dies zwei bedeutende Nachteile:

Der Held der Steine weckte mein Interesse an LEGO.

Zuerst einmal schimmert die bunte Pracht durch die argen Spaltmaße des Sternzerstörers. Auch wenn es Verbesserungen gegenüber des Vorgängers gibt, bautechnisch ist es aufgrund der Form nicht möglich, diese Lücken zu schließen. Egal aus welchem Winkel, irgendwo sieht der Betrachter etwas Knalliges durch das Grau der Hülle blitzen. Thomas fragt mit Recht: wozu? Was wäre denn so schlimm an grauen Steinen für das Innere?

Es geht einher mit dem zweiten Punkt: die Anleitung! Diese ist heutzutage „watscheneinfach“, sagt der Held. Als Kind habe ich mit den damaligen Anleitungen keine Probleme gehabt. Komisch irgendwie. Keine bunte Seuche, ich wurde gefordert, inspiriert, motiviert… Was war so schlecht an der Methode? Muss eine Anleitung heute die Ausmaße eines Telefonbuchs haben? Muss immer alles generft werden? Einfacher ist schön und gut. Aber wenn ein Modell keine Herausforderung mehr ist, vergeht der Spaß am Bau. Kognitive Entwicklung ist wichtig, warum hemmen? Ein Kind kann das, von den Erwachsenen ganz zu schweigen. Aber nein, es kommt mir so vor, als bilde LEGO Stein für Stein ab und nutzt das volle Farbspektrum dafür. Wollte Paul Prima das nicht verhindern? Kinder bauen nicht mit den Farben, die LEGO nicht anbietet. „Ahhh, Paul ist weg, hol die 24 Bit Farbpalette aus der Schublade. Kipp einfach drüber über das Modell.“ Wie in einem schlechten Film, sehe ich die Anleitung des Sternzerstörers, frage ich mich: gibt es mehr Bauschritte, als Steine in der Packung?

Es gibt ein weiteren Punkt, der auffällt: LEGO liebt Aufkleber. Auf Print hat das Unternehmen offensichtlich nur über einen fahrenden Händler zugriff. Wenn mal ein Set daherkommt, das mehrere Hundert Euro kostet und dir ein Stickerbogen in die Hände fällt… ja, was sollen die denn machen, wenn der Kollege mit dem Drucker erst in zwei Monaten wieder vorbeikommt? Mal ehrlich, wenn ein kleines Unternehmen nicht druckt, sondern klebt…. Ach ne, COBI hat ja… Verstehe, der Reisende Drucker ist von COBI? Klar, dass der nicht immer kann, wenn die gerade drucken.

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Obige Mängel sind Grund dafür, weshalb ich bislang zögerte, eines der Modelle von BlueBrixx oder Xingbao zu bestellen. Es gibt wirklich sehr schöne Gebäude, die sich wundervoll zu einem kleinen Setting anordnen ließen. Allein durch die Optik betteln sie förmlich darum, aufgebaut zu werden. Perfekte Kulissen für kreative Stop-Motion-Szenen. Will ich mir das antun?

Stattdessen experimentiere ich mit Studio 2.0, dem digitalen Designer für Klemmbausteine. Sämtliche Steine die LEGO hat, sind nutzbar und zusätzlich können damit Anleitungen erstellt werden. Ideen nehmen Form an, hoffe ich. Und was soll ich sagen? Der Modelldesigner hat eigene Defizite bei der Bedienung. Usability sieht anders aus. Ganz bestimmt. Wäre schön gewesen, wenigstens mit dem Designer ohne Probleme Klemmbaustein-Modelle entwickeln zu können. Was soll’s, ich werde mich reinfuchsen, mich darin versuchen. Die beiden Beispiele dieses Artikels für die Renderqualität habe ich recht zügig mit einfachen Steinen arrangiert. Wer weiß, vielleicht ist das Noppendesaster so manchen Bausatzes Resultat der Unzugänglichkeit des Studio 2.0 Designers.

Ein Aspekt, der den Nutzer erschlägt, ist die Anzahl der unterschiedlichen Steine! Wow, seit meiner Kindheit gibt es schier unendlich unterschiedliche Steine in allen erdenklichen Farben. Paul Prima, du hast mich mehrfach schamlos angelogen. Kinder würden nur mit den Farben spielen, die es von LEGO heute gibt. Nun gut, es war eine andere Zeit. Die Produktionskosten waren der Grund.

Durch die Videos zumindest habe ich viele Steine und Begriffe kennengelernt. In der Übersicht des Studio Designers offenbart sich das ganze Ausmaß. Wirklich imposant! Vielleicht erstelle ich eine Review über Studio 2.0. Was meinst du? Wäre das etwas? Oder gar ein Video? „Let’s design a catastrophe“ mein Weg zum Nullnoppen-Architekt. Sicherlich ein interessante Erlebnis.

Fazit:

LEGO war zu seiner Zeit grandios! Als Kind der analogen Spielzeugwelt gab es nichts Besseres, als diese Klemmbausteine. Unendliche Kreativität ermöglichend hat LEGO sicherlich dazu beigetragen assoziativ zu denken.

Heute gibt es unterschiedliche Anbieter der bunten Plastiksteine, manche von hervorragender Qualität, andere wahrhafte Trümmer. Stein auf Stein, Verbund soll’s sein. Jeder hat die freie Wahl und findet das passende Set für seine Interessen.

Sich kreativ austoben zu können, wie es in den 80er und 90er Jahren möglich gewesen ist, wird jedoch schwer. Mit den unterschiedlichen Formen wurden die herkömmlichen Steine verdrängt. Es werden viele Sets benötigt, um andere Gebilde konstruieren zu können.

Einen Schritt in die richtige Richtung geht BlueBrixx auf diesem Gebiet. Dort können Steinepacks erworben werden. Von normalen Bausteinen hin zu Spezialsteinen wächst deren Angebot in Form und Farbe. Gerne halte ich die Entwicklung im Auge, denn wer weiß, vielleicht entwerfe ich ein Modell, dass ich anschließend nicht nur render, sondern physisch baue. Eine gute Idee, oder?

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