Chinesisch lernen?

Chinesisch lernen?

你好,你好吗 – Hallo, wie geht es dir?

Zugegeben, Sprachen, waren niemals meine Stärke. Englisch und Französisch brachen mir daher bereits in der 7. Klasse das Genick, Grund dafür, diesen Jahrgang doppelt in meiner Vita zu zählen. Zugleich liegt eine Teilschuld oftmals an der Person, die dir ein Thema, Lehrgebiet, Handwerk, etc. vermitteln soll: dem Lehrer.


Übrigens, ich gender meine Texte nicht. Als Freund der dehysterierten Sprache verwende ich selbige in normal gebräuchlicher Form. Dies bedeute nicht, dass ich einer Gleichstellung von Frau und Mann kritisch gegenüberstehen würde, ganz im Gegenteil, allerdings halte ich nichts von Lehrerin und Lehrer, Lehrer*in oder Lehrer/in, Lehrer_in… Sei mal ganz ehrlich, so unter uns, gefällt dir ein gegenderter Text? Das stört den Lesefluss und sieht aus, als versuche der Verfasser etwas zwanghaft ausdrücken zu wollen, um einem etwaigen Shitstorm vorzubeugen, den eine potenziell diffamierte Feministin vom Zaun brechen könnte.
Selbiges gilt für den verbalen Gebrauch. Eine Sprache ist lebendig, spiegelt eine Gesellschaft wider. Ich verdeutliche meinen Inhalt nicht dadurch alles doppelgeschlechtlich zu erwähnen, ich gewichte es falsch.


Zurück zum Thema. Wie gesagt, die 7. Klasse wiederholte ich, wechselte zur 9. Klasse die Schule und wurde spontan besser in Englisch. Der Lehrer war super, ich holte auf. Die Oberstufe läutete ich direkt in einer anderen Stadt ein, was eine lange Anfahrt per Zug mit sich brachte. Positiver Nebeneffekt, Englisch wurde noch besser und Latein passte ebenso ins Konzept.

Zwischen Abitur 1997 und 2014 hatte ich keinerlei regulären Kontakt zur englischen Sprache. Innerhalb 17 Jahren vergisst man einiges. Mein Aufenthalt in New York, 2014, gestaltete sich bei Gesprächen schwierig. Vor allem eines Morgens, als ich beim Frühstück im Hotel von einem Texaner angesprochen wurde. Uhhhh, das war echt hart. Bavarian und Munich habe ich verstanden. Ansonsten klang es, als spräche ein Ur-Bayer zu mir.

Richtig durchgestartet, was Englisch betrifft, habe ich erst 2016, als ich nach der Trennung von meiner Frau eine Freundin fand. Eine portugiesische Muttersprachlerin und wir unterhielten uns nur auf Englisch. Ich lernte zwar einige Verben und Begriffe, allerdings war es aufgrund der Tatsache, dass es sich um eine Fernbeziehung handelte eher schwierig. Und somit blieben wir beide beim Englischen.
Später, nach Abwicklung meines Unternehmens, über das ich ausführlich berichten werde, fand ich kurzerhand eine Vollzeitstelle, für die ich ein Bewerbungsgespräch per Skype mit einer Britin führte. Klar, ich und mein Englisch… Das war 2017 nicht so perfekt, wie ich es gerne hätte. – Das ist es immer noch nicht. Es reicht mir aktuell und liegt auf Sprachlevel C2. – Was soll ich sagen, ich bekam die Stelle und ging dieser mitsamt des wöchentlichen Telefonmeetings nach, ehe ich für ein weiteres Jahr zurück in die Selbständigkeit ging.

Aktuell arbeite ich für ein amerikanisches Unternehmen im Kundenservice. Die Plattform bedient den Tourismus, Englisch ist Systemsprache.
Ich schreibe und telefoniere mit Menschen aus aller Welt und das sehr oft in englischer Sprache. Sowohl mündlich, als auch schriftlich.
Meine Aufgaben erstrecken sich über einfache Bedienungsfragen über Erläuterungen bis hin zu emotional belastenden Konflikten zwischen den Parteien. Darüber habe ich die Vergangenheit bezwungen. Englisch lernte ich nun doch! Ein Lehrer, der mir in der 5. Klasse verbot mitzuschreiben, abgelöst vom personifizierten Horror in der 7. Klasse, als mir ein, aus heutiger Sicht, fanatischer Mensch, die Sprache komplett verhunzte, bezwungen durch Schicksal, Zufall, Ehrgeiz.

Neben all dem Englisch arbeite ich unter anderem oft mit spanischen, portugiesischen, italienischen und französischen Anliegen. Was soll ich sagen? Bester Tipp: Lese und lerne! Klar, Google Translator und ich, we are best friends, allerdings verstehe ich mittlerweile ebenfalls sehr viel Geschriebenes der obigen Sprachen. Sicherlich hat mein Französisch von anno dazumal ebenso wie meine Lateinkenntnisse einen Einfluss darauf. Es macht einfach Spaß, wenn du erst einen Text liest und dabei den Inhalt aus dem Kontext ableiten kannst. Und eben durch diese Arbeit kam ich auf Chinesisch.

Ich lerne diese atemberaubende Sprache nebenbei seit Herbst 2019. Mal mehr, mal weniger. Ausschlaggebend dabei ist meine berufliche Situation, das finanzielle Schicksal und die Aussicht in Zukunft wieder einer Arbeit nachzugehen, die Spaß macht und meinen Lebensstandard heben kann. Verzicht und Demut über viele Jahre ist das eine, im Alter davon leben etwas völlig anderes. Das geht nicht, es sei denn, du gibst dich vollständig auf.

Ob ich wirklich Chinesisch als Fremdsprache benötige oder zukünftig verwerten kann, wird sich zeigen. Fakt ist, es hält geistig aktiv. Alle Muster der Schriftzeichen sahen zu Beginn gleich aus. Jetzt nicht mehr. Was allerdings eine Herausforderung ist, ist die Betonung der Zeichen. Wenn ma nicht ma ist, sondern mā, má, mǎ, mà, ma. Alles verschiedene Worte, Bedeutungen….

Für so etwas benötigst du einen Muttersprachler. Eines Tages, auf dem Rückweg von der Arbeit im Zug, traf ich eine nette Chinesin, zu Gast in Deutschland für eine längere Zeit. Wir lernen etwas per WhatsApp – jeweils die Sprache des anderen.

Allgemein bin ich sehr gespannt, wohin mich diese Reise führen wird. Ich habe Ambitionen und möchte während meines persönlichen Sabbatical, der Auszeit, um meine Situation zu bereinigen, Bereiche ausloten, in denen ich später arbeiten kann. Ich bin der Auffassung, dass Chinesisch nach Englisch die wichtigste Sprache weltweit werden wird, wenn du im internationalen Handel Fuß fassen willst. Da wird Corona ebenso wenig dran ändern, wie partielle Handelskriege zwischen den USA und China.

Hauptsächlich nutze ich die abgebildeten Apps, um mich mit der chinesischen Sprache vertrauter zu machen. Alle, ohne etwaige Premiuminhalte freigeschaltet zu haben. Ich bin der Meinung, dass dies zu Anfang nicht notwendig ist. Zuallererst benötigst du ein Gefühl für Optik und Intonation der 漢字 / 汉字 Hànzì.

Übrigens beschäftige ich mich mit der vereinfachten Variante der Schriftzeichen auf dem Stand von 2009, welche der chinesischen Schriftzeichenreform von 1956 entstammen.

Die Apps HSK empfehle ich vor allem, da du aufgrund von Wiederholung der einzelnen Charaktere diese immer besser auswendig lernst. Die App mit der Biene arbeitet dagegen wie ein Bildwörterbuch. ChineseWriting… Schweigen wir drüber. Bis dahin ist es ein langer Weg. Lesen und verstehen haben Priorität.

Wie sieht es bei dir aus? Magst du Sprachen, sprichst du sie? Arbeitest du fremdsprachig? Interessiert dich dieses Thema und möchtest du mehr darüber erfahren?

Und übrigens, für das Chinesische trifft selbiges zu:

„Das Englische ist eine einfache, aber schwere Sprache. Es besteht aus lauter Fremdwörtern, die falsch ausgesprochen werden.“

Kurt Tucholsky

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